Girocard vs Maestro: Was ändert sich für Deutsche

Girocard vs Maestro: Was ändert sich für Deutsche

Die deutschen Geldkarten durchleben gerade einen fundamentalen Wandel. Nach Jahrzehnten der Koexistenz von Maestro und Girocard rückt ein neues Zeitalter näher: Maestro wird sukzessive durch die Girocard ersetzt. Für Deutsche, die mit ihren Zahlungskarten alltäglich hantieren, ist es wichtig zu verstehen, was sich konkret ändert und wie wir uns darauf vorbereiten. Dieser Leitfaden klärt die Unterschiede, den Übergangsprozess und die praktischen Implikationen auf, ohne unnötige Umschweife.

Was ist Girocard und was ist Maestro?

Bevor wir uns mit dem Übergang befassen, müssen wir verstehen, um welche Zahlungssysteme es geht. Diese Grundlage ist entscheidend, um die Bedeutung des Wandels zu erfassen.

Girocard: Das deutsche Zahlungssystem

Die Girocard ist das eigentliche deutsche Zahlungssystem. Sie ist fest in der Infrastruktur unserer Banken verankert und ermöglicht Zahlungen im Inland über die Girocard-Infrastruktur. Die Girocard wurde ursprünglich als elektronische Lohnsteuerkarte konzipiert und hat sich zu einem zentralen Instrument des bargeldlosen Zahlungsverkehrs entwickelt.

Die Girocard funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Sie ist direkt mit dem Girokonto verbunden und ermöglicht Zahlungen über PIN-Eingabe oder, in neuerer Zeit, auch kontaktlos. Das System ist in Deutschland überaus zuverlässig und wird von Millionen Bürgern täglich genutzt.

Maestro: Das globale Kartennetzwerk

Maestro hingegen ist ein internationales Kartennetzwerk der Mastercard-Gruppe. Viele Deutsche Girokonten wurden mit einer Maestro-Karte ausgestattet, die als Zweitkarte neben der Girocard fungiert, oder in manchen Fällen diese ersetzte. Maestro ermöglichte grenzenloses Bezahlen weltweit und war besonders im Auslandszahlungsverkehr unverzichtbar.

Es ist wichtig zu verstehen: Maestro ist nicht einfach eine Karte, sondern ein Kartensystem, das grenzüberschreitend akzeptiert wird. Die Deutsche Bank, Commerzbank und viele Sparkassen haben ihre Kundinnen und Kunden lange mit Maestro-Karten ausgestattet. Doch die Zeiten ändern sich, und mit ihnen auch die Kartensysteme.

Der Umstieg von Maestro auf Girocard

Der Wechsel von Maestro zu Girocard ist nicht willkürlich, sondern eine strategische Entscheidung mit tiefgreifenden Hintergründen.

Gründe für den Wechsel

Es gibt mehrere Faktoren, die zu dieser Umstellung führen:

  • Digitalisierung und Sicherheit: Die Girocard wird kontinuierlich modernisiert und erfüllt neue Sicherheitsstandards besser als das ältere Maestro-System.
  • Hohe Gebühren: Mastercard verlangt von Banken zunehmend höhere Gebühren für Maestro-Transaktionen, was auf Kundinnen und Kunden abgewälzt wird.
  • Förderung der heimischen Infrastruktur: Deutschland möchte seine Unabhängigkeit von internationalen Kartennetzwerken stärken und die Girocard als nationale Lösung pushen.
  • Nachhaltigkeit: Weniger physische Karten bedeuten weniger Plastikverbrauch und eine geringere ökologische Belastung.
  • Kontakt- und kontaktlose Zahlungen: Moderne Girocards unterstützen bereits kontaktlose und mobile Zahlungsmöglichkeiten, die Konsumentinnen und Konsumenten erwarten.

Zum einen geht es also um wirtschaftliche Rationalität, zum anderen um strategische Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit.

Zeitplan und Implementierung

Der Umstieg läuft nicht von heute auf morgen ab, das wäre für Millionen von Konten viel zu disruptiv. Stattdessen folgen die Banken einem gestaffelten Zeitplan:

PhaseZeitraumMaßnahme
۱ ۲۰۲۴–۲۰۲۵ Emissionstopp für neue Maestro-Karten
۲ ۲۰۲۵–۲۰۲۷ Schrittweise Ablösung bestehender Karten durch Girocards
۳ ۲۰۲۷ Vollständiger Rückbau der Maestro-Infrastruktur in Deutschland

Diese Phasen gewährleisten, dass wir nicht plötzlich ohne Zahlungsmittel dastehen, sondern ausreichend Zeit haben, uns umzustellen.

Auswirkungen im In- und Ausland

Die Auswirkungen unterscheiden sich deutlich, je nachdem ob wir im Inland oder Ausland zahlen. Das ist ein zentraler Punkt, den viele nicht auf dem Radar haben.

Zahlungen im Inland

Für Zahlungen in Deutschland ändert sich für uns als Konsumentinnen und Konsumenten praktisch nichts, im Gegenteil, es wird sogar nahtloser. Die Girocard ist in Deutschland omnipräsent. Ob im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Online-Shop: Die Akzeptanz ist flächendeckend.

Der große Vorteil: Girocards sind oft günstiger für Händler (und damit auch für uns indirekt), da keine internationalen Gebühren anfallen. Das bedeutet potenziell niedrigere Transaktionsgebühren und bessere Konditionen.

Zahlungen im Ausland

Hier wird es interessant, und teilweise auch kompliziert. Maestro war besonders im Ausland wertvoll, weil es weltweit akzeptiert wurde. Mit Girocard im Ausland zu zahlen, ist möglich, aber nicht überall.

Was wir wissen müssen:

  • Europäische Union: Girocards funktionieren in EU-Ländern problemlos. Sie sind mit Cooprodukte wie Visa Debit oder Mastercard Debit gekoppelt, die international funktionieren.
  • Außerhalb der EU: Hier wird es eng. Girocards werden außerhalb Europas oft nicht akzeptiert. Deutsche Banken bieten daher häufig Kreditkarten oder Visa-Debit-Karten als Ergänzung an.
  • Geldautomaten: Im Ausland können wir mit Girocard Geld abheben, allerdings können Gebühren anfallen, das war bei Maestro ähnlich.

Fazit für Reisende: Wer regelmäßig außerhalb der EU unterwegs ist, sollte sich eine zusätzliche Kreditkarte oder Visa-Debit-Karte besorgen. Die Girocard allein reicht nicht mehr.

Was müssen Deutsche jetzt tun?

Die Theorie ist nice, aber was tun wir konkret? Hier sind die praktischen Schritte.

Praktische Tipps für den Übergang

  1. Kartenstatus prüfen: Meldet euch bei eurem Online-Banking an und schaut, welche Karten ihr habt. Habt ihr noch eine Maestro-Karte? Dann wartet diese Phase ab und die Bank wird euch kontaktieren.
  2. Bankwechsel möglich, aber nicht nötig: Keine Panik, wenn eure Bank langsam ist. Der Umstieg ist gesetzlich verpflichtend, alle Banken machen mit. Es gibt keine Bank, die Maestro beibehält.
  3. International tätig sein?: Wenn ihr viel im Ausland seid, fragt euer Geldinstitut nach einer Visa-Debit- oder Kreditkarte. Diese sind kostenlos oder günstig und bieten weltweite Akzeptanz.
  4. Lastschriften und Daueraufträge überprüfen: Manche ältere Systeme könnten bei der Kartenkopplung straucheln. Prüft regelmäßig, dass eure automatischen Zahlungen funktionieren.
  5. Online-Shopping: Fügt eure neue Girocard in euren Online-Banking-Profilen ein, um Zahlungen reibungslos zu gestalten, besonders bei Abos und wiederkehrenden Käufen.

Häufige Fragen geklärt

F: Ist Girocard sicherer als Maestro?

A: Nicht unbedingt „sicherer”, aber moderner. Girocard erfüllt aktuelle Sicherheitsstandards (3D-Secure, Tokenisierung) und wird kontinuierlich aktualisiert. Maestro ist älter und erhält weniger Investitionen in Sicherheit.

F: Kostet die neue Girocard mehr?

A: Nein. Die Girocard ist in der Regel kostenlos, genau wie Maestro-Karten bei Standardkonten. Es ändert sich an den Gebühren nichts, teilweise werden sie sogar günstiger, da weniger internationale Entgelte anfallen.

F: Was passiert mit meinem alten Maestro-Karte nach dem Stichtag?

A: Sie wird ungültig. Ihr könnt sie nach der Gültigkeitsfrist nicht mehr nutzen. Eure Bank wird euch rechtzeitig Bescheid geben.

F: Funktioniert Girocard mit Apple Pay und Google Pay?

A: Ja, aber über Visa Debit oder Cooprodukte. Die reine Girocard ist noch nicht vollständig in digitalen Wallets integriert, aber das ändert sich gerade.

F: Brauche ich mehrere Karten?

A: Das hängt von euren Gewohnheiten ab. Für Deutschland und EU reicht die Girocard. Für Weltweit: Ergänzt mit Visa oder Mastercard.

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